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Dienstag, 20. Juni 2017, 19:30 Uhr

Abgrenzung trotz Entspannung

Themenabend zur politischen Fernsehgeschichte

Beim dritten und letzten Abend zur Ausstellung "Krieg im Äther" waren vier Sendungen aus dem Jahre 1976 zu sehen. Es sind zeitgeschichtliche Dokumente aus einer Phase, in der durch den Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker und durch die auch von der DDR-Regierung unterzeichnete KSZE-Schlussakte Hoffnungen auf Veränderungen und mehr Freiheit geweckt worden waren. Das Agieren Karl-Eduard von Schnitzlers in seiner Sendung "Der schwarze Kanal" und die vielen Hilferufe aus dem Osten, denen Gerhard Löwenthal im "ZDF-Magazin" Raum gab, zeugen vom Ausbleiben freiheitlicher Entwicklungen in der DDR. Noch deutlicher rückte diese repressive Politik durch die Ausbürgerung von Wolf Biermann in das deutsch-deutsche Bewusstsein. Die beiden Nachrichtensendungen "Die aktuelle Kamera" (Ost) und "Tagesschau" (West) mit Berichten und Kommentaren zum "Fall Biermann" illustrierten dies.

Am 13. Mai eröffnete Michael Graf in unserer Pfarrkirche die Plakatausstellung "Krieg im Äther" zum medialen Klassenkampf der beiden deutschen Staaten als Beitrag zur Fernseh- und Zeitgeschichte in Ost und West zwischen 1956 und 1989. Zur Sprache kam dabei nicht nur die Frage "Wie Winnetou ins DDR-Fernsehen kam", sondern auch der Unterschied zwischen dem ursprünglichen Ziel der medialen Klassenkämpfer und dem realen Fernsehprogramm ab Mitte der 80er Jahre.

Zu den Zeitabschnitten der von verschiedenen Institutionen verantworteten Ausstellung gibt es drei Themenabende mit Beiträgen aus Sendungen des Ost- und West-Fernsehens. Überblicksinformationen dazu gibt es in der PDF (siehe Grafik).

Der erste Themenabend am 23. Mai widmete sich nach einem Überblick zur Gründung der Fernsehanstalten, der Sendestrukturen und der Empfangsmöglichkeiten dann anhand von Thilo Kochs Sendung "Die rote Optik" (NDR) und von Karl Eduard von Schnitzlers "Der schwarze Kanal" (DDR-Fernsehen) die erste heiße Phase bis zum Mauerbau zum Thema. Besonders interessant dabei ist, das die Macher beider Politsendungen versuchten, die Fernsehagitation der jeweils anderen Seite zu entlarven.

Der zweite Themenabend am 30. Mai stand unter dem Titel "Blaulicht im DDR-Fernsehen: Auftrag Mord": Das Ideal einer sozialistischen Gesellschaft schloss der Theorie nach Kriminalität aus: Es durfte sie strukturell nicht geben, allenfalls noch als ein zu überwindendes Relikt bürgerlicher Ideologien. So wurde Kriminalität in der frühen DDR stets mit falscher Weltanschauung oder einer negativen Beeinflussung durch Westmedien erklärt - oder eben gleich als durch den Westen verursacht. Die handwerklich modern gemachte Folge "Auftrag Mord" (1965, ca. 55 Minuten) aus der DDR-Serie "Blaulicht" zeichnet dementsprechend ein klares Ost-West/Gut-Böse-Schema.